Donnerstag 18. September 2008 Es ist hier ein herrlicher Sonntag

Von: FFB Christian

Es ist ein herrlicher Sonntag, an dem klassische Klänge die historischen Gebäude der Altstadt umwiegen und ich einen leeren Bierkasten direkt neben meine Schreibhand positionieren muss, um nicht vom Weiß des Papiers bei unzählig auftreffenden Sonnenstrahlen zu erblinden.

Ich glaube mittlerweile, dass Hermannstadt eine der am weitesten entwickelten rumänischen Städte ist. Sicherlich sind viele Dächer alt, an den Wänden mancher Häuser fehlt Putz und das Wort Spurrillen bekommt mit der Kenntnis der Hermannstädter Ausfahrtsstrasse erst einen Sinn, doch die Menschen tragen die Offenheit die eine Stadt ausmacht, die Impulse empfängt, aufnimmt und selbst im Gegenzuge ihre Impulse sendet. Zum Beispiel sind Handwerkermärkte, Festivals, Theateraufführungen und Konzerte in breiter Spannung ausgesät, und ich wundere mich nicht darüber, dass die wunderschöne Frau auf dem Telefonwerbeplakat auf der Lügenbrücke steht.

Die verführende Hand des Westens ist sichtbar an Ecken und Enden und auch unsere Hände wirken mit, am Aufbau, beim Restaurieren und ganz gewiss auch daran, dass sich neue Gewohnheiten behaupten und alte Traditionen verlieren. Im Moment schüttet sich die neu gewonnene Investitionskraft in Einfamilienhäuser, Autos und auch in Dinge, mit denen Häuser und Wohnungen in Deutschland seit Jahrzehnten angefüllt sind aus, egal ob es ein Gefühl dazu gibt, oder die Aufmerksamkeit je wieder den Spannungsmoment erreichen kann, der den Moment beim Kauf ausmachte. Menschen können damit zufrieden sein.

Von der Art und Weise, wie die Rumänen sind, begegnet uns selten Argwohn oder Aggressivität, Eigenschaften die vielen Deutschen inne sind und die in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass wir Stress suchen, Ärger wollen um diese abzubauen. Wissbegierig kommen mir die Menschen vor, werden sie nun Teil einer Welt, die ihren Reichtum auch nach Wissen und Fähigkeiten definiert. Wenn ich dies alles schreibe und danach lese, fühle ich einen kleinen Teil von Rumänien erfasst. Die Stadt. Auf dem Land scheint oft offen der Stillstand den Tag zu begleiten. Wenige Dörfer beherbergen einen Betrieb. Landbewirtung ist die Arbeit, die unter den Einwohnern verteilt ist. Bei Tage ist das Leben auf den Strassen. Die kleinen Kinder spielen in Gruppen, streunende Hunde sind aus keinem Blick zu streichen, Pferdehufe klacken und die Kutschen rumpeln, dunkle Haut, dunkle Augen und lächelnde Gesichter, vor den Türen und Toren, die oft mit bunten kräftigen Farben angestrichen sind und doch nicht drüber hinwegtäuschen können, dass hier oft erst etwas geschieht, wenn die Zeit dafür in Bereiche gelangt, die ein Menschenleben übersteigt.

Selbst stecken wir nicht drin, in diesem Fluss des Lebens, der Gedankenwelt dieses Schaffens und auch Nichtschaffens. Die Felder des Lebens bestellen, in ihrem Genuss zu schwelgen und so Zeit dahinticken lassen können. Darin ist ein Weg des Bewusstseins im Umgang mit der Natur verborgen, der mir gänzlich unbekannt ist.

Es gibt viele Unterschiede, doch ich spüre auch, dass mir die Beschreibung und Sichtweise auf dieses jetzige rumänische Leben der Rumänen fehlt. Ein Missstand der mir anzukreiden ist, begebe ich mich hier unter Menschen, um zu einem großen Teil doch bei meinen Ansichten und Absichten zu bleiben.


Hupkonzerte durchfahren die Stadt. Heirat und religiöser Hintergrund sind hier gebliebener Grundstein der Familie. Darunter auch Tragödien, wo finanzielle Sicherheit die Liebe verwirft. Und doch liegt die Hingabe der Liebe darin, Kindern und mit ihnen dem Samen des Lebens zu dienen, auch mit persönlichem Verlust. Von Eifer und Verlangen als Errungenschaft und Wille der Liebe, die es in ihrer Erscheinung vermag, Gedanken zu verdrängen. Auch jene materielle Sicherheit.

Wo sind wir zwischen all dem und wie viel dieser Wahrheit schafft unser Stolz, ein Leben zu leben, das als verbindlichstes Ziel die eigene Verwirklichung sieht?



Eine Taube, die Flügel besitzt, verlernt zu fliegen,

auf dem großen Platz, wo die Brotkrümel und Reste

von Gebäck verstreut am Boden schier endlos haften.