Samstag 18. Oktober 2008 Auszüge aus der Odyssee durch drei Kulturen
Von: FFB ChristianSibiu / Drăgăşani (RO)
Wir haben es geschafft aus Sibiu abzureisen. Nachdem uns die Stadt für wahr als ihre Liebhaber akzeptiert und wir sie als leichte Bekanntschaft angenommen hatten, fiel der Abschied schwer. Der genaue Zeitpunkt musste sich selbst kristallisieren, denn Versuche nach Vorsatz abzureisen scheiterten kläglich. Wir hinterliessen mit verschlossenen Türen einen Ort, an dem wir lange lebten und für den wir leben. ...
...die Sonne versank langsam in einem kräftigen Rot. Doch bevor sie ganz von hügeligen Gebirgsketten verschluckt ward, hielt ein Auto und brachte uns zum ersten Ziel, nach Drăgăşani. Die Bekanntschaft mit dem Fahrer entwickelte sich trotz unserer spärlichen rumänischen Sprachkenntnisse dermaßen, dass der Fahrer schon während der Fahrt die Einladung zu einem Kaffee in seinem Hause aussprach. Das freute uns sehr und so stiegen wir bald zwei Etagen in einem Neubaublock hinauf, um in eine sehr neue Wohnung zu gelangen. ...
Drăgăşani / Oryhovo (BG)
Der Morgen begann mit Sonnenschein. Als wir unsere Sachen gepackt hatten, liefen wir durch kleine Gassen am Zigeunerdorf vorbei. Die Häuser hielten liebevolle Einblicke bereit. Kleine, bescheidene Häuser, mit natürlichen Farben, kunstvollen Dachverzierungen und grünen Innenhöfen. das Gefühl was mich immer in einem solchen Moment umwiegt ist: hier will ich bleiben. ...
... Nach späterem langen Fußmarsch an den Rand von Craiova, nahm uns ein sehr junger Rumäne in Richtung Bechet, unserem Tagesziel mit. Der Fahrstil dieses jungen Mannes war derart aufregend, dass wir alle aufmerksam jedes Überholmanöver mit Blicken verfolgten. Voller Eifer spielte er seine Streckenkenntnisse aus und auch seine Hupe wusste er konstant zu gebrauchen. "Einer, der sich von nichts aufhalten lässt!", könnte wohl der Titel eines Filmes gelautet haben, der davon handelt, wie die errungene Freiheit zu halten sei. Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn durch ihn gelangten wir an den Hafen, wo die Fähre über die Donau nach Bulgarien ging. ...
Oryhaovo / Sofia
... Brot, Zwiebel, Tomaten mit Salz, Kartoffelsalat und Salami. Ein guter Tagesbeginn und so vielen die ersten Schritte mit gepacktem Charly nicht schwer. Wasser eingekauft und Kaffee getrunken haben wir in der Hoffnung, einen Lokus zu finden. Doch das Straßencafe war ein sehr kleines und so zogen wir ein Stück weit die Straße weiter und begannen zu trampen. Nach erfolglosem Versuch des Tankwarts, uns für 70 Euro nach Sofia zu fahren, hielt ein alter Mann mit seinem Lada und fuhr uns ins nächste Dorf. Auf diesem Weg praktizierte er eine Technik zwischen Motor aus- und anhaben, welche wir in Rumänien schon einmal erlebten. ...
... Wir erfuhren auch schon früher, dass Bulgarien hier in Sofia heute gegen Italien spielt. Deshalb glaubten wir auch, hat der Mann uns mitgenommen. Weil er mit dem Alten zum Fußball wollte! Für uns war jedoch der Ausgang des Abends ungewiss. Bis ein junger Mann die Bar betrat und Stefan ihn sogleich vom letzten Jahr erkannte. Von diesem Zeitpunkt an nahm der Abend eine Wendung, die mit niedergeschriebenen Worten wohl den Verlauf und nicht die eigentliche Gestalt des Zufalls beschreiben kann. ...
Sofia / Volos - Marathos (GR)
... Ein Auto brachte uns bald zum Abzweig Richtung Griechenland und ein Anderes etwas später fünfzig Kilometer weiter. So befanden wir uns nun zirka hundert Kilometer vor der Grenze und es sollte wiederum etwas passieren, was wohl allein mit dem Wort Zufall unbefriedigend beschrieben ist. Es hielt ein Auto und gleich darauf noch ein Zweites. Und das Zweite sollten wir schnell wiedererkennen, denn es war jener Audi A6, den wir bereits an unserem ersten Tag in Bulgarien, ein Dorf hinter der Grenze trafen. Dort hielt er in die Gegenrichtung fahrend an und nach einem kurzen Gespräch drückte uns der Fahrer, Zimmerermeister und Unternehmer aus Köln sechzig Euro in die Hand. "Hier habt ihr ein bißchen Trinkgeld!" Ja und genau dieser Mensch hielt nun wieder und der erste Satz den er mir entgegen brachte war: " Weit seid ihr aber nicht gekommen!" ...
Marathos - Volos
Montagabend in Marathos bei Volos angelangt, hatte uns bald der Schlaf. Dienstag und Mittwoch nutzten wir zum Baden, Sonnen, Essen, zum Erzählen von Geschichten und zur Besichtigung von Volos. Das Mittelmeer ist wunderbar! Die Wassertemperatur ist herrlich und es herrscht ein buntes Treiben am Strand und im flachen Wasser, sodaß unsere Augen schier unersättlich den Facetten der Natur frönten. Neben dem Wasser mussten wir natürlich auch all die Bäume und Pflanzen, die Südfrüchte und Palmen betrachten, denn Orangen, Zitronen, Oliven, Mandarinen kennen wir sonst nur aus Netzen und Kisten und Gläsern. So vergingen zwei faule Tage, wobei wir am Mittwoch Volos besuchten. In der Stadt schlenderten wir durch die Gassen und wir waren verblüfft, das uns ein kleiner Junge auf die Frage: "Ce mai facez?" mit "Bine!" antwortete. Ihm und seiner gesamten Schulklasse konnten wir dann etwas von der Wanderschaft erzählen. Insgeheim glaube ich, dass der kleine Junge ebenso verdutzt, wie auch erfreut war, dass wir mit ihm rumänisch sprechen konnten. ...




