Mittwoch 12. November 2008 Reise nach Jerusalem
Von: KlimBim
Einnahme des Ostkaps

Zu Ehren unseres lieben Freundes Bebe im Crama

Moschee am Salzsee auf Zypern

Zureisebier in Jerusalem (jiddisch?)
Volos / Athen (GR)
Die Frage ist, was machen drei Fremde, die auf einer Raststätte stranden, die so schlecht zu erkennen ist, dass sich ein Auto pro Stunde dorthin verirrt, um zu Tanken? – Richtig, Skat spielen und Bier trinken. Sechs Stunden, bis es weitergeht. So kam es dazu, was wir an diesem Tag nicht mehr für möglich gehalten hätten: Abends in Athen zu sein...
... Exarchia, das Metalviertel in Athen, bot uns einen zünftigen Empfang im Rock-Café. Doch am nächsten Tag ging es sehr bald weiter aus dieser uns viel zu großen Stadt zum Hafen Piraeus, wo wir bei nächtlicher Überfahrt unser nächstes Ziel ansteuerten...
Kreta
Im Morgengrauen am Hafen von Chania angelegt, machten wir uns gen Osten auf, vorbei an Palmen und Kasernen, im Schatten der aufgehenden Sonne, am Meer entlang...
... das erste Auto hielt, als Christian trampte. Der Fahrer beugte sich zum offenen Fenster über seinen kleinen Sohn: „Where you wanna go?“ – „Direction Iraklio.“ – „Where exactly you wanna go?“ – „We don’t know, just in that direction...“ – „You always have to know, where you wanna go! I’m a Satanist!“ Naja, wir haben ihn zum Teufel geschickt…...
... „Oh, schade, jetzt kann ich dich ja gar nicht fotografieren“, sagte die Mutter zu ihrer Tochter, als sie eines schönen Urlaubmorgens über einen schmalen künstlichen Steindamm zu der kleinen weißen Kapelle im Meer gegangen waren und plötzlich drei Typen in ihren Schlafsäcken unter dem überdachten Eingangsbereich des kleinen Heiligtums lagen. Bleibt die Frage, ob die Geschichte anders ausgegangen wäre, hätten wir es abends nicht mehr geschafft, aus der Kluft zu steigen...
Zypern
Dürres Land. Mit über sechs Sommermonaten, in denen nicht ein einziger Tropfen Wasser fällt. Es war für uns das erste Mal, eine wüstenähnliche Region zu sehen.Geteiltes Land. Das griechischsprachige, „reiche“ Euroland im Süden und das türkisch „besetzte“ Nordzypern, Gegenstand vieler Diskussionen. Ziemlich dumm fanden wir, dass der Südteil keinerlei Fährverbindungen zulässt, nicht nur, weil für uns unvorteilhaft. Scheinbar hat sich irgendein schlauer Politiker vor ein paar Jahren mal ausgerechnet, dass Kerosin dem Staat mehr Einnahmen beschert, als eine lächerliche Hafensteuer...
... unseren ersten Abend verbrachten wir in der geteilen Hauptstadt. Hierzu ausführlich auf: www.fremderfreiheitsschacht.de...
... nach stundenlangem Wandern durch die Autoarme Einöde an der Küste Nordzyperns fanden wir bei klarem Sternenhimmel einen schönen Platz am Strand, an dem wir ein Lagerfeuer machten, unseren letzten Schluck transilvanischen Èšuika genossen und in Erinnerungen schwelgten. Am nächsten morgen weckte uns die Simme eines eifrigen Scheriffs: „What are you doing here?“ – „Ähh, sleeping.“ – „You have car?“ – „No, we’re walking.“ Ein langer musternder Blick, ein Lachen und Kopfschütteln ließen darauf schließen, dass er uns überhaupt nicht einzusortieren wusste, bevor er sich verabschiedete und von dannen schritt...
... der Geländewagen hielt kurzentschlossen an. Leider fuhr der Schotte nur 500m weiter, lud uns aber zum Kaffee ein. Wir verbrachten den ganzen Tag bei ihm und seiner Frau bei netten Gesprächen und gutem Essen. Unvergessen wird wohl auch bleiben, dass die rund 20 Hunde, die die beiden aufgenommen hatten jedesmal, wenn der Muezzin auf dem Turm der Moschee im Tal anfing zu singen, mit einem Heulkonzert einsetzten...
... die Ruine der Kreuzritterfestung Kantara imponierte uns durch seine enorme Größe und die wunderschöne Aussicht auf die Nord- und Südküste der nördöstlichen Landzunge Zyperns...
... vorbei an wilden Eseln und am Golden Beach fuhren wir zum „Ostkap“. 40 km nördlich die Türkei, 70 km östlich Syrien...
... ein unbeschreibliches Naturschauspiel durften wir dort am nächsten Abend miterleben. An drei Seiten um uns herum war ein sehr imposantes, heftiges Gewitter über dem Meer, während der klare Sternenimmel über uns von nicht einem Wölkchen getrübt war...
... eine weniger erfreuliche Situation erlebten wir bei unserer Abreise, als wir kurzerhand entschlossen einen Flug nach Amman lösten. Wir wurden mit unfreundlichen Mienen durchsucht und mit unseren Sachen wurde alles andere als vorsichtig umgegangen. So sind wir gefährliche Waffen, wie Nagelschere, Nagel und Stimmgabel losgeworden...
Jordanien – Amman
Überrascht waren wir bei unserer Ankunft in Jordanien, dass es um einige Grad kälter war, als auf Zypern. Unser Empfang am Flughafen war auch vom Wachpersonal freundlich und etwas später fanden wir auf staubigem Boden unter kargen Büschen Schlaf, bis wir noch vor Sonnenaufgang von ersten Regentropfen geweckt wurden. Unser Weg führte uns vorbei an einem Wachposten. Nach längerem Aufenthalt in einem Bushäuschen sind wir zur dt. Botschaft in Amman mitgenommen worden, wo man uns versuchte weiterzuhelfen. So haben wir noch am selbigen Tag eine sehr empfehlenswerte Tischlerei, in der qualitativ hochwertige Möbel in 100% Handarbeit hergestellt werden, kennengelernt. Leider der falsche Ort für zwei Zimmerer und einen Klavierbauer...
... sehr eindrucksvoll war der Regen, den wir an zwei von den drei Tagen in Amman erlebten. Es hat nicht lange geregnet, vielleicht ein bis zwei Stunden, aber so heftig, dass sich die Straßen in reissende Flüsse verwandelten, die den Dreck von einem halben Jahr herunterspülten. Danach schien wieder die Sonne und weitere zwei Stunden später war von dem Regen jede Spur verwischt...
... die drei Wörter, die uns noch bis weit über die Landesgrenzen hinaus, ständig begegneten, waren „Welkamm!“, „Taxi?“ und „Werfrom?“...
... schlußendlich sind wir in einen der zahlreichen Minibusse gestiegen und Richtung King-Hussein-Bridge gefahren. Am jordanischen Grenzposten hätten uns zwei gesetzte, hochrangingige Ordensträger der jordanischen Armee mit ihrem Bedürfnis, uns zu helfen, beinahe dazu gebracht, den nächsten der grenzpassierenden Busse zu verpassen...
Jordan – Israel
... so gingen (in dem Moment fuhren) wir über den Jordan und sind dennoch am Leben. Der Jordan, wo auf der Welt ist er kein Begriff? Vielleicht nicht so groß, wie Amazonas oder Nil, vielleicht so groß, wie die Donau, oder? Ich meine, immerhin wurde ein gesamtes Land nach ihm benannt. Die Brücke, die den Namen des verstorbenen Königs trägt, wie groß und imposant mag sie wohl sein?. Die ernüchternde Realität belehrte uns mal wieder eines Besseren. Über das mikrige Rinnsal, das uns aufwartete, hätte man ohne Probleme gehen können...
... am israelischen Grenzposten, der unmittelbar darauf folgte, wurden wir nicht nur mit den erwarteten Sicherheitskontrollen, sondern auch mit der Gewalt eines Überwachungsstaates konfrontiert. Dessen miteingerechnet, dass die Durchsuchung eines Fremden nach etwaigen gefährlichen oder illegalen Gegenständen sowieso immer etwas länger dauert, hatten wir an keiner Grenze, die wir bisher passiert haben 4 Stunden zugebracht. Zwar wurden keine Fingerabdrücke oder Augenscanns genommen, dafür aber wurde im Einzelgespräch ausgelotet, um welche Spezie es sich handelt, und was wir vorhaben. Ob es nun so lange dauerte, weil wir keinen israelischen Stempel im Pass haben wollten, um die Möglichkeit nicht zu verlieren auch noch in andere Länder des mittleren Ostens reisen zu können, oder ob es an unserer Kluft lag, entzieht sich unserem Wissen. In der Dämmerung bestiegen wir den nächsten Bus, der uns direkt aus den besetzten Gebieten nach Jerusalem bringen sollte...
