Samstag 03. Januar 2009 Steinmetzkurs mit Schülern der Berufsschule CAROL I.
Von: Vincent BeteauIm November letzten Jahres hatte ich das Vergnügen, das Wissen über meinen Beruf als Steinmetz mit den Schülern der Hermannstädter Bauhandwerksschule im Rahmen eines von der Deutschen Gesellschaft unterstützten Praktikums zu teilen. Dank dieses Steinmetzkurses, der Bestandteil ihrer Ausbildung war, konnten die Schüler zumindest für kurze Zeit das Fehlen eines Fachlehrers überbrücken und, so hoffe ich, einige gute Erfahrungen machen.
Vorgesehen waren für die Teilnahme am Praktikum eigentlich nur sieben Schüler, doch konnten neben diesen Stammteilnehmern auch zahlreiche Mitschüler von ihren kurzen Besuchen in der Schulwerkstatt profitieren und das ein oder andere über die Steinbearbeitung lernen. Da regelmäßiges Erscheinen nicht gerade zu den Stärken dieser Klassen zählt, denen es meist an allen Ecken und Enden fehlt, war ich überaus positiv überrascht darüber, dass diese Schüler nicht nur durchweg anwesend waren, sondern die ganze Sache zudem sehr ernst genommen und eine ungeheure Neugier und Motivation an den Tag gelegt haben. Und das machte es sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten.
Unter den nicht immer idealsten Bedingen (Werkzeugmangel, das Kommen und Gehen von Mitschülern etc.) haben sie sich auf ihre Arbeit konzentriert, um so schnell wie möglich voranzukommen und zum nächsten Schritt übergehen zu können. Da die Jugendlichen und ich nicht die gleiche Sprache sprachen, waren wir zum größten Teil auf die simultanen Verdolmetschungen von Anda angewiesen, was den Schülern jedoch ebenfalls keine Probleme bereitete: Sie haben sich sehr schnell an diese Situation gewöhnt und sich natürlich auch den ein oder anderen Spaß daraus gemacht.
Wenn sie sich einmal über etwas beschwert haben, dann überwiegend über die körperliche Anstrengung, die einige unter ihnen verspürten, sowie über das langsame Vorankommen bei der Arbeit, die viel Geduld und Ausdauer verlangt. Allerdings hielt diese negative Stimmung nie lange an: Ein paar aufmunternde und motivierende Worte genügten schon, damit der Großteil von ihnen sich wieder guten Mutes an die Arbeit machte. Generell war die Atmosphäre sehr angenehm und das trotzdem die etwas temperamentvolleren unter ihnen jedesmal eine Show abziehen mussten, wenn einer ihrer Mitschüler in der Schulwerkstatt vorbeischaute. So stolz waren sie darauf, ein paar kleine Steine zu behauen. Die Schüler anschließend wieder zur Ruhe zu bringen, dauerte immer eine Weile.
Nachdem sie zunächst die alten Steinblöcke, die uns die Kirche als Gegenleistung zum Endprodukt zur Verfügung stellte, geglättet hatten, machten sie sich schnell an die vollständige Bearbeitung der Steine, die später bei der Restaurierung der Kathedrale in Hermannstadt verwendet werden sollen. Dieser Austausch, von dem beide Seiten profitierten, ermöglichte den Schülern, unter realen Bedingungen, d.h. mit dem richtigen Material und den entsprechenden Anforderungen sowie mit dem Gefühl der Genugtuung, die ein solches Projekt mit sich führt, zu arbeiten. Anschließend haben sie Zierleisten mit vorspringendem und einspringendem Winkel angefertigt, bevor sie einen Rundbogen im Maßstab 1:2 in Angriff nahmen, den wir am letzten Tag noch zusammensetzen konnten. Zusammen mit den zu diesem Anlass gekauften Werkzeugen sind diese Steine in der Schule geblieben, in der Hoffnung, dass die Schüler bald wieder Gebrauch von ihnen machen können.
Beflügelt von dem Erfolg dieses Projekts hat sich der Direktor der Berufsschule ganz herzlich bei uns bedankt und uns dazu ermutigt, solch eine Erfahrung sobald wie möglich wieder zu machen. Auch die Schüler waren sehr zufrieden mit ihrem zweiwöchigen Steinmetzkurs, was sie uns auch immer wieder während unserer diversen Unterhaltungen wissen ließen, vor allem am Ende des Kurses, als wir mit ihnen zur Kathedrale gingen und ihnen zeigten, wo ihre Steine nächsten Sommer im Rahmen des Gesellenprojekts in der Kathedrale Verwendung finden würden. Nicht wenige unter ihnen haben daraufhin ihr Verlangen geäußert, bei diesem Ereignis unbedingt dabei sein zu wollen.
Für mich war dieses Praktikum eine sehr positive Erfahrung und das nicht nur, weil es mir Freude bereitete, mein Wissen über meinen Beruf mit den Schülern zu teilen, sondern auch weil ich gemerkt habe, wie stolz diese Jugendlichen darauf waren, neue Grundkompetenzen erworben zu haben, und ich hoffe, dass sie die Gelegenheit haben werden, diese später auszubauen. Sehr interessant war es allerdings auch, Rumänien aus einem ganz neuen Blickwinkel kennenzulernen, denn dieses Land steckt wirklich voller positiver Überraschungen.
Ich wünsche mir sehnlichst, dass solche Projekte andere Wandergesellen und Compagnons dazu animieren, ihr Wissen und Können weiterzugeben, so wie es Daniela und Ed bereits vor mir im Rahmen eines Tischlerkurses getan haben. Ich wünsche allen eine fixe Tippelei!
Vincent Beteau, C. T. D. P. D. D.
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