Montag 15. Juni 2009 Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren....
Von: Christian Rummel
SALUT!
Seit nun gut 3 Wochen bin ich nun wieder mal hier in Rumänien. Angelangt in der Casa Calfelor hies es erst einmal ein paar organisatorische Dinge zu klären und mit Ed, Matze und Anda bei Don Titi nach über einem dreiviertel Jahr erst mal wieder einige Ursus die Kehle hinunterrinnen zu lassen.Da ich nun das 3. Jahr hier unten in Transilvanien bin, ausser Sibiu und Umgebung noch nicht viel gesehen habe und bis zu Beginn des Projektes im Juli noch gut anderthalb Monate vor mir lagen packte ich mir ein Zelt und das nötigste an Gepäck ein stieg in den Zug nach Sigisoara und hatte das grobe Ziel Ukraine/Moldawien vor Augen. Allerdings wollte ich vorher noch unsern einheimischen FVD Rehlein besuchen, der gerade etwa 85 km nördlich von Sibiu in Apold war. Nachdem sich das Trampen von Sigisoara aus sehr schwiegig gestaltete, erreichte ich dann spät in der Nacht Apold. Die Kirchenburg zu finden war nicht sonderlich schwer, da sie die grösste Erhebung im Ort darstellt und da noch Licht aus dem Fenster schimmerte und so klopfte ich ans schwere eichene Eingangstor und kurz darauf erschien Rehlein.
Bei einem kurzen Besuch jedoch sollte es allerdings nicht bleiben. Er erzählte mir, dass die nächste Zeit bei einem Deutschen hier im Ort ein Laubengang mit altem Eichenfachwerk gebaut werden sollte. Gesagt getan, die folgende Woche wurde an (wahrscheinlich) Jahrhunderte alten Holz gesägt, gestemmt und bebeilt, das Abendessen über dem Feuer im Innenhof der Burg gegrillt und nachts im Wehrgang eines Verteidigungturmes der Kirchenburg geschlafen. Als die Baustelle mit einem Richtfest abgeschlossen war und Sebastian, der Bauherr den letzten Holznagel ins Fachwerk geschlagen hatte, kam die Anfrage vom Pfarrhaus, ob es denn möglich sei, für selbiges ein grosses Hoftor zu bauen. Gut, sagte ich, ich nehme den Auftrag an, wollte aber vorher noch am Wochenende nach Sibiu. Wieder in der Casa Calfelor fand ich dort Moritz, Zimmerer im FBS, vor, der gerade aus Israel kam. Es dauerte nicht lange, da erklärte er sich dazu bereit, mir in Apold unter die Arme zu greifen.Die nächste Zeit wurde also wieder fleissig gehobelt und gestemmt. Als das Tor fertig war mussten wir uns erst mal Gedanken um eine vernünftige Aufhängung desselben machen. Da ein LKW das alte Hoftor mitsamt Scharnieren aus den Angeln gerissen hatte, kam uns ein zufällig zugereister Schmied natürlich gerade recht. Er schmiedete uns im Lagerfeuer, dem er mit einem Haarfön zusätzlich Hitze entlockte, die Beschläge und Aufhängungen fürs Tor. Nachdem wir noch ein grosses Zaunstück erneuerten und ein Taufbecken aus dem 18. Jahrhundert reparierten, verbrachten wir das Wochenende wieder mal in Sibiu um uns Tito & Tarantula anzusehen, die Samstags ein Konzert gaben
Am Montag darauf machten wir uns auf nach Marpod zur einheimischen Tischlerin Daniela, um dort noch einige Tage zu arbeiten. Auch hier gabs ein Hoftor zu bauen und nachdem dieses vollbracht war, machten wir uns noch daran, zwei Betten zu bauen.
Dann der Schock:
Eines Abends kam ein Anruf von Ed, der mir von einer hochschwangeren Rumänin erzählte, die wohl vor der Herberge irgendwas von einem Christian Rummel erzählte und mich dringend sprechen wolle…….
Mir total verdutztem, das Herz bis zum Hals schlagenden, ertönte am anderen Ende der Leitung stattdessen ein fröhliches “Grüss dich Kamerad“ entgegen. Es war FVD Steffen, der noch vom letzten Jahr seinen Schnack, einen Stiefel vorbeizubringen, einlösen wollte.
Für den nächsten Tag verabredeten wir uns dann in der Casa Calfelor, auch FFB Panzer, FFB Pawel, der einheimische freigereiste Martin sowie Albrecht, einheimischer Schriftsetzer im FBS waren schon zugereist. Da just an diesem Tag gerade das Transilvania Rockin stattfand, verbrachten wir den restlichen Tag bis tief in die Nacht auf dem Festival, auf welchen wieder einmal die Mittelalterrockband In Extremo auftrat.
Auch in Punkto Sommerprojekt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.
Die Schauwerkstatt wird wieder wie gewohnt vom letzten Jahr im Schatten der Stadtmauer in der Cetatiistrasse stattfinden, eine Platte mit einer ausreichenden Anzahl an Betten ist etwa 10 Minuten vom Zentrum entfernt gebucht und weitere Aufträge für Schreiner, Zimmerleute, Maurer und Steinmetze sind eingegangen, damit uns im Sommer auch nicht die Schaniegelei ausgeht. Kultureller Art werden wir aller Vorraussicht nach im Rahmen unserer allwöchentlichen Filmvorführungen vor der Herberge einige Filme aus der Reihe „Der Letzte seines Standes“ zeigen, in welchen alte, zum Teil schon ausgestorbene Handwerksberufe dokumentiert werden.
Auch findet in Sigisoara, etwa anderthalb Autostunden von Sibiu entfernt, ein grosses Mittelalterfestival statt und etwa Mitte des Projektes Balkenbehauen am Piata Mica in Sibiu, wo ein jeder Interessierte mal das Breitbeil schwingen kann. Auch möchte ich in diesem Punkt noch mal alle Gesellen bitten, nach Möglichkeit vielleicht noch etwas eigenes Werkzeug mitzubringen.
In diesem Sinne, ich hoffe auf rege Zureise
Der einheimische freie Vogtländer Christian Rummel

