Montag 19. Oktober 2009 Von der Bucowina und den Karpaten
Von: KlimBimIrgendwann im Sommer 2009
In der Hitze der Nachmittagssonne hinaus zu wandern, aus der Stadt am Cibin, Richtung Norden, Richtung Moldawien, das sollte der erste Eindruck dieser Reise sein. Trampenderweise wurde an jenem Tage noch die Strecke bis Bistriţa zurückgelegt. Vorbei an Erinnerungen aus diesen oder anderen Regionen der Erde in eine Stadt, die keinem der Reisenden bekannt war und so das Gefühl des Ankommens in der Fremde vermittelte, in der es neue Eindrücke zu gewinnen galt. – Nur in der Fremde ist es möglich, völlig neue Eindrücke zu gewinnen, die sich an Orten, wo man schon einmal gewesen ist, mit jenen der Erinnerungen überlagern. Darin besteht die Magie der Erde, als ob jeder Standort ein einziges persönliches Blatt Papier sei, das beim ersten Besuch neu, bei jedem weiteren weiter geschrieben würde. - Jener erste Abend der Reise war geprägt von Eindrücken, wie nächtlicher Kleinstadtromantik, einer verrauchten Zigeunerbeiz mit billigem Bier und dreieinhalb Quadratmeter großem Nichtraucherraum oder einer amüsanten Karaokeveranstaltung mit anschließender Übernachtung in der Kneipe. Weiter ging es über den Karpatengürtel mit obligatorischer Fahrt in Dacia und Caruţa (rum. Kutsche), in der man die Welt so anders erlebt als beim Mitfahren in Autos. So sollten sich die Mauern aus losen Steinen in Drahtkäfigen, die die Hänge am Straßenrand vor dem Einsturz bewahren sollen, als unvergessliches akustisches Erlebnis darbieten, das nur das Echo klappernder Hufe hervorzauberte. Moldawien, Bukowina, eine schöne Region im Herzen Europas, berühmt für seine unzähligen Klöster, die auch dem nichtreligiösen Menschen sehenswert seien. Unerwartet gestaltete sich das Wochenende. Was als harmloser Ausflug mit einer Studentengruppe zur Besichtigung einiger Klöster begann, wurde schnell zur Hetzjagd von einer Kirche zum nächsten Kloster und nahm damit leider ein wenig den Reiz des Schönen, indem es in ein religiöses Getriebensein umschwappte. Selbst der Lichtblick dieser Tage, auf einer Zigeunertaufe wenigstens an das gesegnete Hopfengebräu zu kommen und vielleicht noch ein wenig die Party zu genießen, wurde durch den Ausruf „This is no traditional romanian music!“ getrübt. Immerhin bleibt die architektonische Kunst der Baumeister unter Stefan cel mare zu loben und die von außen (!) bemalten Kirchen sind mehr als bewundernswert. Von Osten nach Westen. Eine Nacht in Cluj, dann über Huedin in den Teil der Karpaten, der zwischen Cluj und Oradea gelegen ist. Es begann mit einer Wanderung über Berge und durch Wälder. Am Ufer eines Sees ein Adler, einen Steinwurf entfernt. Die Nächte am Lagerfeuer in wilder Natur, der Ruf eines Wolfes in weiter Ferne, nur der Müll, der an schönen Orten überall herumliegt, achtlos liegengelassen, vermag es, die archaische Schönheit ein wenig zu entstellen. In Huedin, der Kleinstadt, in der ein Zigeunerpalast neben dem Nächsten steht, gab es ein Ungarnfestival, bei dem ungarische Minderheiten nicht nur aus Rumänien sowie eine Gesandtschaft der Roma musikalische Darbietungen ihrer traditionellen Musik gaben. Bei Şuncuiuş stand noch ein Höhlenbesuch an, gefolgt von einer Einladung zum Essen am Flussufer. Die anschließende Wanderung über die Hügel zur Höhle des alten Mannes, blieb aufgrund fehlender Ausrüstung ohne Besichtigung, führte aber zum Kennenlernen von sehr netten Menschen, die einen kleinen Bergbauernhof betrieben und gerade dabei waren, Heu in traditioneller Weise auf zu türmen, zu frisch gemolkener Mich und letztendlich zum Schlafplatz im Stall. Eine letzte Caruţa-Fahrt leitete das Ende der Reise ein.
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