Samstag 01. Januar 2011 Bericht über das Berufsschulpraktikum vom 29. November - 3. Dezember 2010 in der Avram Iancu Schule für Holzbearbeitung
Von: Christian RummelWie schon des öfteren war es für die hier in Hermannstadt einheimisch gewordenen Gesellen der Casa Calfelor durch die Unterstützung des deutschen Konsulates möglich, Weiterbildungsarbeit für den Nachwuchs im Handwerk an der Hermannstädter Berufschule für Tischlerei zu leisten.
Aus diesem Grund trafen wir, Daniela Greulich, in Marpod ansässig gewordene Tischlerin und ich, Christian Rummel, seit diesem Jahr hier in Hermannstadt sesshaft und aus selbigem Gewerk stammend, uns im Vorfeld, um zu besprechen, was in einer Woche zu bewerkstelligen sei.
Nach kurzer Zeit schlug Daniela vor, jeder der Schüler solle einen kleinen Hocker bauen, der ebenfalls Teil des Lehrplans deutscher Berufsschulen ist. Nach kurzer Beratung und Besprechung der Zeichnungen waren wir uns einig, dass das Werkstück mit einigen raffinierten Datails ein gutes Anforderungsniveau für unsere Schüler sein wird. Wir wollten keinen einzigen 90º-Winkel verwenden und mit offenen Schwalbenschwanzeckverbindungen arbeiten.
Nach Anlieferung des Materials und Abklärung des Lehrziels mit der Direktorin Frau Anca Sultanu und dem dortigen Lehrer Herr Aurilian Stan konnten wir Montag morgen zeitig starten. Nach ein wenig Theorie begannen wir mit dem Verleimen und Hobeln. Recht schnell stellte sich heraus, dass wir eine der besten Klassen der Schule in dieser Woche unterrichteten.
Recht zügig ging es dann weiter zum Zuschnitt der Bauteile für unseren Hocker, parallel dazu wurden im Hobelbankraum Säge- und Stemmübungen durchgeführt. Mittlerweile gab es eigentlich fast niemanden unter den Schülern mehr, der nicht mit Engagement und Freude bei der Sache war.
Donnerstags wurden die Verbindungen der Ecken sowie die Zargen ausgearbeitet. Ein Mädchen, das anfangs nicht wirklich bei der Sache war, wurde die Schnellste von Allen und auch den meisten der Jungs stand sie in punkto Können in nichts nach.
Nachdem am Freitag Nachmittag alle verleimt und geschliffen hatten, ließ sich die Direktorin der Schule es nicht nehmen, der abschließenden Bewertung der angefertigten Stücke beizuwohnen. Es wurde beschlossen, dass die besten drei Schüler, die Möglichkeit bekommen sollen, im kommenden Sommer in einem von der Casa Calfelor organisierten Spezialistenkurs im Bereich Treppenbau teilzunehmen, der ebenfalls an der gleichen Schule stattfinden wird.
Abschliessend lässt sich sagen, dass unser Kurs sehr gelungen ist, das Lehrziel wurde erreicht und jeder der Schüler wurde fertig. Nicht nur das, die meisten waren auch mächtig stolz auf das Geleistete. Man muss jedoch sagen, dass eine gute Ausbildung im Handwerk nur mit der entsprechenden Infrastruktur der Berufschule und im Idealfall mit funktionierendem dualen System nach deutschem Vorbild zu erreichen ist. Da weder das eine noch das andere wirklich vorhanden ist, ist es nicht die Schuld der Schulleitung oder gar der Lehrer, vielmehr hapert es sehr am ganzen Schulsystem. Gerne würden die Lehrer etwas ändern, wenn jedoch nicht einmal Geld für das nötigste Material vorhanden ist, um mit den Schülern vernünftig zu arbeiten und ein einziger Lehrer über 30 Schüler auf einmal beaufsichtigen muss, ist dies sehr schwierig.
Es ist als Erfolg zu sehen, da es mittlerweile das dritte Mal war, dass Gesellen der Casa Calfelor eine Weiterbildung in der Hermannstädter Berufschule gaben und dass die Schule auch weiterhin sehr an einer Kooperation mit uns interessiert ist.
Und nicht zuletzt: Wessen Aufgabe ist es, wenn nicht die unsere, junge Leute für einen Handwerksberuf zu begeistern?
Christian Rummel einh. Tischlergeselle



